Wie läuft ein Assessment-Center ab

Wie läuft ein Assessment-Center ab?

16. Juli 2020

„Assessment“ kommt aus dem Englischen und heißt übersetzt etwa „Bewertung oder „Einschätzung“. Ein Assessment Center ist ein Personalauswahlverfahren. Vor allem große Unternehmen nutzen Assessment Center, um über Aufgaben und Übungen die Persönlichkeit ihrer Bewerber zu ergründen. Wie läuft ein Assessment-Center ab?

Assessment Center findet in der Regel direkt im Unternehmen statt und können zwischen einem und drei Tagen dauern. Aufgrund überprüfbarer Entscheidungskriterien bietet das Assessment Center auch eine rechtssichere (Gleichstellungsgrundsatz!) Personalauswahl. Andere Bezeichnungen für das Assessment Center sind Auswahlseminar, Bewerbertest, Bewerbertag oder mehrtägiges Auswahlverfahren.

Assessment Center sind zeitaufwendig und teuer. Sie werden deshalb häufig bei der Besetzung von Führungspositionen genutzt. Größere Unternehmen wie Versicherungen, Banken oder Industriekonzerne nutzen das Assessment Center jedoch auch für die Besetzung von Ausbildungsstellen, für Volontariate oder Traineeprogramme.

Besonders oft kommen Assessment Center in folgenden Branchen zum Einsatz:

  • Finanz- und Bankwesen: Seriöses Auftreten sowie analytisches Denkvermögen sind die Schwerpunkte bei den Übungen.
  • IT: Logisches Denken in Stresssituationen und sinnvolle Priorisierung von Aufgaben spielen eine große Rolle.
  • Ingenieurwesen: In dieser Branche sind logisches Denkvermögen und die Fähigkeit für innovative Lösungsansätze wichtig.
  • Marketing: Kreativität und Präsentationstalent werden abgefragt.
  • Vertrieb: Kommunikation hat oberste Priorität – das wird in Rollenspielen getestet.

Assessment Center sind meist ähnlich aufgebaut. Bei der Vorbereitung sollten die künftigen Azubis unbedingt beachten, dass es nicht nur ihre um fachliche Qualifikation geht, sondern auch um ihr Sozialverhalten. Gerade bei der Besetzung von Ausbildungsstellen werden bis zu 20 Bewerber gleichzeitig eingeladen.

Typische Aufgaben in einem Assessment Center

  • Selbstpräsentation: Die Bewerber müssen dem Vertreter des Unternehmens und ihren Mitbewerbern ihren bisherigen Werdegang schildern. Besonders bei Schülern, die noch keine berufliche Erfahrung haben, sind auch Hobbys und ehrenamtliches Engagement wichtig. Rückfragen sind normal. So soll die Souveränität getestet werden.
  • Gruppendiskussion: Eine Übung, die gern für Ausbildungsstellen genutzt wird. Die Bewerber bekommen ein Thema vorgegeben, das sie debattieren müssen. Das kann tagesaktuell sein, oder sich auf das Unternehmen beziehen. Die Personaler wollen sehen, wer die Leitung übernimmt, wer wie argumentiert, und wer sich offensiv, aggressiv oder zurückhaltend gibt.
  • Postkorbübung: Ein klassischer Stresstest. Die angehenden Azubis müssen unter Zeitdruck mehrere Dokumente und E-Mails – meist zwischen zehn und 20 – sichten, bewerten, selbst bearbeiten oder gegebenenfalls delegieren. Zusätzlich werden die Kandidaten durch störende Anrufe oder Gesprächspartner belastet. Im Anschluss an die Übung muss der Kandidat seine Entscheidungen erläutern.
  • Rollenspiel: Im Rollenspiel werden stellenbezogene Situationen nachgestellt. Bei Azubis vor allem Gespräche mit Kunden.
  • Interview: Dieser Teil des Assessment Centers ähnelt dem klassischen Vorstellungsgespräch. Ein natürliches Auftreten, Kompetenz sowie erkennbare Motivation sind besonders wichtig.
  • Gemeinsames Essen: Bewerber sollten unbedingt beachten, dass das Auswahlverfahren noch immer nicht abgeschlossen ist. Auch das gemeinsame Essen gehört noch dazu. Viele Menschen fühlen sich in ungezwungener Runde unbeobachtet, sind es aber nicht.

Vorbereitung auf das Assessment Center

Auf fast alle genannten Elemente des Assessment Centers können sich Azubis vorbereiten. Vor allem auf die Selbstpräsentation und auf das Interview. Die eigene Motivation benennen können und die eigenen Stärken und Schwächen kennen sind wichtige Punkte für diese Aufgaben. Genauso wichtig sind Kenntnisse über das Unternehmen, in dem man sich beworben hat.

Rollenspiele sind sehr abhängig von den Inhalten – eine Vorbereitung ist deshalb schwierig. Das gilt auch für die Gruppendiskussion. Dafür kann man sich immerhin vorab mit tagesaktuellen Themen befassen und überlegen, welche Themen für das Unternehmen wichtig sein könnten. Die Vorbereitung auf die Postkorbübung hingegen ist möglich, indem man sich in Möglichkeiten zur Stressbewältigung einliest.

Neben der Vorbereitung auf die Übungen des Assessment Centers sollten sich angehende Azubis auch auf die Gesamtsituation vorbereiten. Das fängt bei der pünktlichen Anreise an und geht bis zur Auswahl passender Kleidung. Bewerber sollten ausgeruht sein, denn das Verfahren wird volle Aufmerksamkeit fordern. Trotz guter Vorbereitung kann es zu Situationen kommen, die man nicht planen kann. Wer sich dann nicht an die eigene Strategie klammert, sondern spontan und kreativ ist, zeigt Eigenschaften, die vielen Personalern wichtig sind.

Von Julia Klinkusch

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