Tisch mit Arbeitszeugnis und Stift

Wem steht das Ausbildungszeugnis zu?

20. Juli 2020

Arbeitszeugnis ist nicht gleich Arbeitszeugnis. Es gibt verschiedene Zeugnisarten: das Schlusszeugnis, das vorläufige Zeugnis, das Zwischenzeugnis und das Ausbildungszeugnis. Unterteilt werden die genannten Arten noch einmal in die Varianten einfaches Zeugnis und qualifiziertes Zeugnis. Wie sieht es mit dem gesetzlichen Anspruch auf das Ausbildungszeugnis aus?

Das, was man unter dem klassischen Arbeitszeugnis versteht, ist das so genannter Schlusszeugnis. Es steht nach § 109 der Gewerbeordnung (GewO) jedem Arbeitnehmer gesetzlich zu. Aber erst zum Ende eines Beschäftigungsverhältnisses – egal ob die Mitarbeiter gekündigt wurde oder er selbst gekündigt hat. Allerdings sind Unternehmen nicht verpflichtet, von sich aus ein Arbeitszeugnis auszustellen, der Mitarbeiter muss ein Zeugnis verlangen. Wer sich in anderen Unternehmen bewerben will, sollten das Arbeitszeugnis zeitnah beantragen.

Sonderform Ausbildungszeugnis

Eine Sonderform bildet das Ausbildungszeugnis. Früher war es auch unter dem Namen Lehrzeugnis bekannt. Nach § 16 des Berufsbildungsgesetzes haben Auszubildende einen Anspruch auf ein solches Arbeitszeugnis. Der Ausbildungsbetrieb ist immer verpflichtet, das Ausbildungszeugnis auszustellen – selbst wenn der Azubi gar keines nicht verlangt oder freiwillig darauf verzichtet. Beim Ausbildungszeugnis gibt es die Wahl zwischen der einfachen und der qualifizierten Form.

Das einfache Ausbildungszeugnis muss lediglich über Art und Dauer des Arbeitsverhältnisses informieren. Im kürzesten Fall besteht es aus einem Satz: „Herr/Frau XY geboren am XY, wohnhaft in XY, hat vom 1.1.2019 bis 31.12.2020 bei uns eine Ausbildung zum XY abgeschlossen.“ Ergänzt wird das einfache Zeugnis von Datum und Unterschrift. Es fließen keinerlei Bewertungen über die Leistungen des Azubis ein. Das einfache Zeugnis muss neutral sein. Einzig eine fehlende Grußformel vor der Unterschrift kann darauf hindeuten, dass es Unstimmigkeiten gab.

Ein aussagekräftiges, qualifiziertes Ausbildungszeugnis ist normalerweise 1,5 bis zwei Schreibmaschinenseiten lang. Neben Dauer und Art der Ausbildung muss es auch die Leistung des Azubis beurteilen. Es muss wohlwollend ausgestellt sein und darf dem ehemaligen Auszubildenden für die weitere berufliche Zukunft keine Steine in den Weg legen. In Schulnoten ausgedrückt muss ein Arbeitszeugnis der Note 3 (= befriedigend) entsprechen. Es darf nicht werden und nicht jede kleine Verfehlung auflisten.

Da die genannten gesetzlichen Vorgaben dazu geführt haben, dass das Arbeitszeugnis positiv formuliert sein muss, hat sich eine eigene Zeugnissprache entwickelt. Dabei klingt erst einmal jedes Arbeitszeugnis gut. Aber nicht alles, was gut aussieht, ist es auch. So bedeutet beispielsweise der Satz „Er verfügte über Fachwissen und hatte ein gesundes Selbstvertrauen“ nichts anderes, als dass der Auszubildende mangelndes Fachwissen mit Arroganz überspielt hat. Ein wirklich gutes Abschlusszeugnis ist daran zu erkennen, dass es tatsächlich in übertriebenem Maß überschwänglich ist.

Das qualifizierte Ausbildungszeugnis muss vom Azubi ausdrücklich eingefordert werden. Ansonsten ist der Ausbilder nur zur Ausstellung eines einfachen Zeugnisses verpflichtet. Das Ausbildungszeugnis wird grundsätzlich zum Ende der Ausbildung erstellt. Entspricht dem Schlusszeugnis nach einer Kündigung, wenn der Auszubildende nach Ende der Lehrzeit den Ausbildungsbetrieb verlässt.

Ein wichtiger Unterschied ist der sogenannte Prüfungsvermerk. Wird dieser im Ausbildungszeugnis nicht erwähnt, deutet das darauf hin, dass die Ausbildung nicht bestanden wurde. Ein Ausbildungszeugnis weist keine Noten aus, muss aber jedes andere Arbeitszeugnis auch mindestens der Schulnote 3 entsprechen. Deshalb sollten auch Azubis in ihrem Ausbildungszeugnis auf mögliche negative Formulierungen achten, die mithilfe der Zeugnissprache ausgedrückt wurden.

Typische Schlussformeln im Arbeitszeugnis

Offiziell sind verklausulierte Ausbildungszeugnisse verboten. Kaum ein Unternehmen hält sich jedoch daran. Der Geheimcode ist seit langem Standard, um im Arbeitszeugnis doch schlechtere Noten als eine 3 zu vergeben. Es sind winzige Kleinigkeiten, die ein hervorragendes Ausbildungszeugnis von einem Verriss trennen. Die vergebene Note erkennt man am besten an der Zufriedenheitsformel. „Stets zur vollsten Zufriedenheit“ ist eine 1, „zur vollsten Zufriedenheit“ eine 2, „zur vollen Zufriedenheit“ eine 3, „zur Zufriedenheit“ eine 4 und „im Großen und Ganzen zu unserer Zufriedenheit“ eine 5. Taucht irgendwo im Ausbildungszeugnis das Wort „bemüht“ auf, sollten beim Azubi alle Alarmglocken läuten. Denn wer sich bemüht, war dabei nicht unbedingt erfolgreich.

Von Julia Klinkusch

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