Tischler-Azubis machen sich neben Ausbildung selbstständig

Tischler-Azubis machen sich neben Ausbildung selbstständig

5. November 2020

Im Online-Store sollen hochwertige Holz-Produkte für Küche, Büro oder als Dekoration verkauft werden. Die Tischler-Azubis Malte Schütt und Felix Dildey machen sich neben ihrer Ausbildung selbstständig – einfach mal zum Ausprobieren.

Sie haben die Ausbildung noch nicht ganz beendet, aber starten mit großen Plänen in die Selbstständigkeit: Malte Schütt und Felix Dildey (beide 21) sind auszubildende Tischler in Wuppertal, die einen Online-Shop mit selbsthergestellten Holzprodukten für Küche, Büro oder einfach nur als Dekoration ins Leben gerufen haben.

Die beiden jungen Tischler kennen sich schon seit dem Kindergarten, haben sich aber erst in der Berufsschule wiedergefunden. Um noch ein bisschen etwas nebenbei  zu verdienen und die Selbstständigkeit auszuprobieren, wollen sie mit ihrem Online-Store „Frühholz“ durchstarten. So erhoffen sie sich zudem, möglichst viel vom Weihnachtsgeschäft mitzunehmen. Ab Mittwoch verkaufen die beiden Auszubildenden im dritten Lehrjahr etwa ein Pizzabrett für Studenten, einen funktionsfähigen Untersetzer, den Tischdiener „Multiple Choice“ mit austauschbaren Gläschen sowie Büroartikel und ein magnetisches Schlüsselbrett. Dabei richten sich die Produkte an zwei Kundengruppen: Studenten und jüngere Kunden und „ein bisschen liquidere Kunden“. Sie möchten somit auch Leuten, die nicht so viel Geld zur Verfügung haben, trotzdem hochwertige Produkte anbieten. Das Pizzabrett sei da das perfekte Beispiel für den Klischee-Studenten, der sich von Tiefkühlpizza ernährt. „Da haben wir schon viel positive Resonanz gehört“, sagt Schütt, „Ich glaube, das wird sehr gut von der Hand gehen.“

Die meisten ihrer vorerst acht Produkte sind durch Beobachtungen im Alltag und im Freundeskreis entstanden. Dabei haben sie sich gefragt: „Was braucht man? Oder was fällt einem auf, was man verbessern könnte?“ Einen Untersetzer, der sich auf verschiedene Topf- und Pfannengrößen einfach verstellen lässt, zum Beispiel. Viele ihrer Produkte sind in unterschiedlichen Holzarten erhältlich, bei manchen werden Holzarten miteinander kombiniert.

Die Idee für das Start-up lag bei beiden auf der Hand

Schütt und Dildey wollen den Fokus sowohl auf das Praktische legen, aber auch auf Nachhaltigkeit. Damit man lange was davon habe. So verwenden die beiden ausschließlich Naturprodukte – das Holz wird nicht lackiert, nur geölt. Einige der Pizzabretter seien aus einem altmodischen Schrank aus Erlenholz entstanden, der so wiederverwertet wurde. Auch das Verpackungsmaterial und der Versand seien nachhaltig

Die Idee für das junge Start-up lag eigentlich schon länger auf der Hand: Bei Dildey im Keller stehen kleinere Tischlermaschinen, mit denen er schon vor der Ausbildung einiges gemacht hat. So hätten sie sich mit kleinen Projekten für Familie und Freunde als Geschenk ausprobiert. „Irgendwann haben wir uns zusammengesetzt und überlegt, ob man das nicht ein bisschen größer aufziehen kann“, sagt Dildey. Und das haben sie jetzt getan, weil sie beide „nicht stillsitzen können“. Ein großes Risiko gebe es bei der Aktion nicht. „Dadurch, dass wir viele Maschinen privat nutzen und besitzen, gehen wir kaum ein finanzielles Risiko ein. Wir haben Materialkosten, die Kosten der Webseite und natürlich die Zeit, die wir da rein investieren“, erklärt Schütt, „Aber wir sehen uns seit einigen Monaten sowieso jedes Wochenende in der Werkstatt und selbst wenn es scheitert und wir mit einem Minus da rausgehen, dann haben wir am Ende die Erfahrung gemacht und aus Fehlern lernt man.“ Der Name „Frühholz“ sei auch nicht unbedacht gewählt worden. Frühholz bezeichnet nämlich das Holz, das sich im Frühjahr eines Jahres bildet und als innerer, heller Teil eines Jahresringes sichtbar ist. „Wir sind noch in der Ausbildung und jung“, erklärt Dildey. „Und Sommermenschen“, ergänzt Schütt.

Das praktische Wissen der Ausbildung wenden Schütt und Dildey selbstbewusst und gekonnt in der Herstellung ihrer Produkte an. Alles andere, das zur Selbstständigkeit gehört, bringen sie sich selbst bei. „Man liest sich selbst viel an, fragt Freunde“, so Dildey. Das meiste produzieren sie in Dildeys Keller. Doch wenn sie mal große Platten über den Betrieb bestellen, dann sei das mit den Vorgesetzten so abgeklärt, dass sie das Holz vor Ort auch schon etwas kleiner machen können.

Trotz voller Arbeitswoche, mache ihnen das Projekt Spaß und sie schafften es immer, Zeit zu finden. „Zeit hat man nicht, Zeit nimmt man sich“, sagt Schütt, „Wir haben unglaublich Spaß daran und sind enthusiastisch.“ Die jetzige Situation fördere die Online-Käufe sichtlich, aber aus diesen Gründen sei „Frühholz“ nicht entstanden. „Bei Corona würde ich persönlich niemals von einer ‚Chance‘ reden“, betont Schütt.

(Quelle: wz.de)

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