Stadt Wuppertal kann 240 Stellen nicht besetzen

Das Rathaus ist verglichen mit der freien Wirtschaft zu unattraktiv. Für mehr als 200 Stellen finden sich keine Mitarbeiter.

Bei der Stadt Wuppertal sind aktuell rund 238 Vollzeitstellen unbesetzt. Bei knapp 4000 Stellen in der Verwaltung – ohne die stadteigenen Betriebe wie Gebäudemanagement und Altenheime. Das sind rund sechs Prozent aller Stellen. Eine Steigerung um 17 Stellen gegenüber dem vergangenen Jahr. Für dieses Phänomen gibt es im wesentlichen zwei Gründe: Die Altersstruktur der Verwaltung und die fehlenden Fachkräfte.

Aktuell melden viele Bereiche Bedarf, vor allem aber einer: Allein knapp 110 dieser aktuell freien Stellen sind im Bereich Kindertageseinrichtungen gemeldet, weil es der Stadt massiv an Erzieherinnen und Erziehern fehlt. Das macht sich auch dadurch bemerkbar, dass die Stadt trotz des Neubaus von Tageseinrichtungen diese nicht vollständig in Betrieb nehmen kann. Zuletzt hat die Stadt Kindertagesstätten an der Rudolfstraße, der Kleestraße und der Staubenthaler Straße eröffnet, aber jeweils nur zwei von sechs geplanten Gruppen belegen können. 

Auch können immer wieder Stellen in der IT sowie bei Bau- und Verkehrsbehörden nicht besetzt werden – wo die Stadt mit der freien Wirtschaft konkurriert. Personaldezernent Johannes Slawig (CDU) sagt aber, dort seien viel weniger Stellen offen als zuletzt – was der eigenen Ausbildung zu verdanken sei. Aktuell werden dennoch Stellen in der IT gesucht, weil die Stadt im Zuge der Förderung als Digitale Modellkommune für jeden Geschäftsbereich einen Projektmitarbeiter sucht, wie Stadtsprecherin Martina Eckermann erklärt.

Die Nachfrage des Rathauses nach Arbeitskräften wird künftig nicht geringer werden. Durch den demografischen Wandel scheiden mehr Beschäftigte aus dem Dienst aus als nachrücken. Für Slawig ist das das „größte Problem für die Stadt“. Die Zahlen belegen das. Der Altersschnitt in der Stadtverwaltung lag 2018 bei 47,77 Jahren, zwei Jahre zuvor war es 46,87 Jahre. Die Mitarbeiter werden also älter, ohne dass Jüngere in gleicher Zahl nachkommen.

Die neuen Auszubildenden auf der Rathaustreppe. Foto: Antje Zeis-Loi

Ausbildung

Das Spektrum der Berufe, in welchen die Stadt ausbildet, ist breit: Mit dabei sind Elektroniker, Fachangestellte für Medien- und Informationsdienste, Forstwirte, medizinische Fachangestellte, Verwaltungsfachangestellte, Koch, Tierpflegerin und Straßenwärter. Weitere Ausbildungsberufe findest du unter dem Unternehmensprofil der Stadt Wuppertal.

Online-Bewerbungen für das Ausbildungsjahr 2020 sind bereits jetzt wieder möglich unter der Internetadresse

wuppertalent.de

 

Allein am Freitag haben 24 Auszubildende ihren Dienst angetreten, Anfang September starten weitere 24 Beamtenanwärter bei der Stadt und weitere rund 50 Auszubildende bei der Feuerwehr, wie Alexander Engelhard, Leiter Aus- und Fortbildung bei der Stadt, aufzählt. Die Stadt besinnt sich darauf, die eigenen Mitarbeiter auszubilden – auch weil es schwieriger ist, den Bedarf über externe Bewerber zu decken. Die Anzahl der Ausbildungsplätze ist seit 2010 (6) bis 2018 (63) kontinuierlich gesteigert worden.

Um für die Zukunft qualifizierte Mitarbeiter und Lehrlinge zu gewinnen, hat die Stadt verschiedene Strategien. Einerseits die Stärkung der eigenen Ausbildung – auch von Erziehern. Seit 2017 gibt es eine Kooperation mit der Berufsschule Kohlstraße für die Praxisintegrierte Ausbildung (Pia). Anderseits soll die Stadt als attraktiver Arbeitgeber dargestellt werden – mit Imagefilmen, einer frischeren Internetseite und Teilnahmen am Recruiting-Tag der Uni. Gleichzeitig soll die fortschreitende Digitalisierung helfen, Arbeitsprozesse zu verschlanken.
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