Schüler schnuppern Forscherluft im Baylab

10. Dezember 2018

Sie schlüpfen in Forscherkittel und setzen kleine Schutzbrillen auf: Wenn die Drittklässler aus der Region im Bayer-Forschungs- und Entwicklungszentrum in Wuppertal zu Gast sind, dann verwandeln sie sich in kleine Forscher. Sie nehmen zum Beispiel die Farben von Filzstiften auseinander und entdecken, dass bei einem Farbton verschiedene Farben im Spiel sind. Oder die Neunjährigen nehmen Pipette und Reagenzglas zur Hand und lernen, dass chemisch das Gegenteil von sauer nicht süß ist, sondern basisch – und was Orangenlimonade damit zu tun hat. „So kommen schon die Jüngsten wissenschaftlichen Phänomenen im Alltag auf die Spur“, erzählt Dr. Birgit Faßbender, Gründerin und Gesamtkoordinatorin der Baylabs.

Vor 20 Jahren rief der Konzern das Programm im Pharma-Forschungs- und Entwicklungszentrum in Wuppertal ins Leben. Kinder, aber auch Jugendliche bis zu naturwissenschaftlichen Leistungskursen sollten die Möglichkeit bekommen, unter realistischen Rahmenbedingungen zu forschen. „Wir möchten die Freude am Entdecken fördern und Forschung bei jungen Menschen erlebbar machen“, erklärt Birgit Faßbender.

Und dafür legt sich das Unternehmen richtig ins Zeug: Während die Jüngsten Gegenstände des Alltags unter die Lupe nehmen und bei den „Schulbrotforschern“ zum Beispiel etwas zu den Bestandteilen und der Herkunft ihrer Nahrung lernen, arbeiten die älteren Jugendlichen in den Baylabs mit aktuellen Fragen aus dem wissenschaftlichen Alltag. Sie steigen in die Molekularbiologie ein, isolieren DNA, entdecken neue Technologien und Anwendungsbereiche.

Welche Rolle spielen molekularbiologische Methoden bei speziellen medizinischen Fragen oder bei der Pflanzenzüchtung? Die Jugendlichen aus den Oberstufen forschen in den Baylabs unter realen Bedingungen, mit anwendungsbezogenem Hintergrund und einer konkreten Aufgabenstellung. „Wir planen gerade ein neues Angebot, bei dem es um Gen-Diagnostik in Bezug auf seltene Krankheiten geht“, erklärt Dr. Faßbender.

Die Kurse, die Bayer für Kinder und Jugendliche in den Ferien und für Klassen und Kurse während der Schulzeit anbietet, sind begehrt und schnell ausgebucht. Von Wuppertal aus machte die Idee in ganz Deutschland und darüber hinaus Schule: Inzwischen gibt es Bayer Schülerlabore in zehn verschiedenen Ländern mit verschiedenen Schwerpunkten.

Die reichen von der Agrarforschung bis zur chronischen Erkrankung Arteriosklerose, von der Physik bis zur Bedeutung der Biene. Zehn Jahre nach Wuppertal eröffnete ein Schülerlabor in Berlin, 2009 dann in Monheim, ein Jahr später in Leverkusen. Mit Mexiko Stadt nahmen die Baylabs 2011 den Sprung über die deutsche Grenze. 2012 folgte Polen, zwei Jahre später Rumänien, 2015 dann Bulgarien. Ein Jahr später eröffneten Schülerlabore in Argentinien und Vietnam. Im gleichen Jahr rief Bayer in Südafrika ein mobiles Schülerlabor ins Leben, mit dem die Wissenschaftler benachteiligte Schulen der Region Mpumalanga besuchen, um Mathematik und Naturwissenschaften anschaulich zu vermittelt. Seit 2017 forschen Schüler auch in Reading, Großbritannien, seit 2018 im Bayer-Werk Bergkamen und in Pyeongtaek, Südkorea. Bis Ende 2017 nahmen insgesamt 420.000 Kinder und Jugendliche an den Baylab-Programmen teil. „Die erste Schülergeneration kommt bereits als Lehrer zurück“, erzählt Dr. Birgit Faßbender.

Die Wissenschaftlerin erlebt, wie motiviert die Kinder und Jugendlichen die Labore wieder verlassen. Vor allem die Schüler, die kurz vor dem Schulabschluss stehen, seien dankbar für den Einblick in die Praxis. „Und die Schulen freuen sich, weil ihnen oft die finanziellen und zeitlichen Möglichkeiten fehlen, um selbst diese Experimente durchzuführen“, weiß die Koordinatorin. Aber gerade die Praxis sei wichtig, auch, um den Schülern einen echten Einblick in die verschiedenen Berufsbilder zu geben.

Welcher Beruf steckt hinter welcher Tätigkeit? Wie arbeiten zum Beispiel Chemiker und was unterscheidet ihren Alltag von dem der Chemielaboranten? Für sie sei der Tag auch dann erfolgreich verlaufen, wenn Schüler im Labor feststellen, dass die feinmotorische Arbeit beim Experimentieren ihnen doch nicht liegt. „Auch dann bieten die Baylabs einen Erkenntnisgewinn“, sagt Dr. Birgit Faßbender und freut sich auf die nächste Runde der Kurse mit den Schülerinnen und Schülern.

Stellenangebot gespeichert

In der unteren rechten Ecke der Seite kannst du jederzeit auf deinen Merkzettel zugreifen.

weitersuchen