Probleme in der Ausbildung: Miteinander reden hilft

13. November 2019

Die Zahl sorgte für Aufsehen: 2016 lag die bundesweite Quote der Ausbildungs-Abbrecher bei 25 Prozent. In Wuppertal allerdings sehen die Zahlen deutlich besser aus: In Handel und Industrie werden dort nur zwischen fünf und sieben Prozent aller 6000 Azubi-Verträge aufgelöst, im Handwerk 14 Prozent (von 1400). „Und nicht alle, die einen Vertrag auflösen, brechen ihre Ausbildung ab“, betont Carmen Bartl-Zorn, Leiterin des Geschäftsbereichs Aus- und Weiterbildung bei der Bergischen IHK. Da gebe es die einen, die den Ausbildungsbetrieb wechseln – wegen zwischenmenschlicher Differenzen oder weil der Arbeitgeber insolvent geht. Andere entscheiden sich nach einiger Zeit für eine andere Fachrichtung oder gehen doch noch weiter zur Schule oder an die Universität. Oder die Azubis ziehen schlicht in eine andere Stadt oder bekommen ein Kind.

Sowohl die Industrie- und Handelskammer (IHK) als auch die Kreishandwerkerschaft bieten Vermittlungsgespräche an, wenn es zu Problemen in einem Ausbildungsverhältnis kommt. „Beide Seiten müssen von ihren Sorgen und Problemen wissen“, betont Carmen Bartl-Zorn und empfiehlt Azubis und Ausbildern, frühzeitig das Gespräch zu suchen. Manche Probleme lassen sich so relativ leicht aus der Welt schaffen.

 

Falsche Vorstellungen grade rücken

Ein vertrauliches Gespräch mit den Experten von IHK und Handwerkerschaft kann auch falsche Vorstellungen gerade rücken. „Manche Azubis meinen, dass sie mit ausbildungsfremden Tätigkeiten befasst werden oder nicht genug ausgebildet werden“, hat die IHK-Expertin erlebt. Anhand eines gemeinsamen Blicks ins Ausbildungsheft lasse sich das relativ gut einschätzen und häufig widerlegen.

Dieselbe Erfahrung hat auch Sascha Bomann, Abteilungsleiter der Kreishandwerkerschaft, gemacht: „Wunsch und Wirklichkeit passen nicht immer zusammen.“ Er empfiehlt deshalb ein Praktikum — „mehr als einen Tag“ — vor Unterschreiben des Vertrags. Dann können der Jugendliche und der Arbeitgeber sich umfassend kennen lernen und der künftige Azubi besser einschätzen, was auf ihn zukommt. Ein Problem sei bei seltenen Berufen die weite Anfahrt zur Berufsschule. Bei stundenlanger Anreise könne die Motivation der jungen Menschen erlahmen. Hier helfe eine stetige Motivation seitens der Ausbilder und eine gemeinsame Suche nach Möglichkeiten der Erleichterung.

Den meisten Ausbildungsbetrieben ist heute sehr bewusst, welch wertvolles Gut der Fachkräfte-Nachwuchs ist. „Hier hat ein Umdenken stattgefunden“, sagt Sascha Bomann. Statt des alten Spruchs „Lehrjahre sind keine Herrenjahre“ kümmern sich viele Arbeitgeber intensiv um ihre Auszubildenden. Mit der Meisterprüfung erhalten die Meister automatisch den Ausbilderschein und bekommen pädagogische Aspekte vermittelt. So lernen sie etwa, wie sie auf private Probleme der meist noch jungen Azubis reagieren können. Auch die Vergütungen und Anreize wie Handys oder Dienstfahrzeuge sind in den letzten Jahren gestiegen.

 

Durststrecken gehören dazu

Etwas Ausdauer gehört jedoch nach wie vor dazu. „Jede Zeit im Arbeitsleben hat Durststrecken – und auch im Beruf gibt es Aufgaben, die man mehr mag und solche, die man weniger mag“, gibt Carmen Bartl-Zorn zu bedenken. Auch das müssen Azubis während ihrer Ausbildung lernen. Auffällig ist, dass in körperlich anstrengenden Berufen wie bei den Dachdeckern, im Gaststättengewerbe mit den unregelmäßigen Arbeitszeiten oder bei den Bäckern, die sehr früh aufstehen müssen, die Auflösungsquoten besonders hoch sind. Die Kreishandwerkerschaft nimmt jedoch mit jedem dieser Kandidaten telefonisch oder schriftlich Kontakt auf und bietet eine Beratung an. „Heute gibt es noch viele freie Ausbildungsstellen – es ist sehr viel leichter, einen neuen Beruf zu finden, als noch vor fünf bis sechs Jahren“, sagt Sascha Bomann. Auch die Lehrlingswarte, die es für jede Berufssparte gibt, können Azubis mit ihrer großen Praxiserfahrung wertvollen Rat geben.

(Quelle: wz.de – von Tanja Heil)

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