Wie der Personalnotstand in Kitas bekämpft werden soll

19. Juni 2019

Erzieher-Demos, akuter Personalmangel, Kindergarten-Gruppen, die vorübergehend geschlossen werden müssen – die Lage in vielen Kitas in Deutschland ist extrem angespannt. Die OECD hat Empfehlungen zusammengestellt, wie das Problem angegangen werden könnte.

Die Zahlen sind dramatisch. Bis zu 372.000 zusätzliche Fachkräfte werden bis 2025 in Deutschland in der frühkindlichen Bildung, sprich in den Kitas, gebraucht. Weil es aber nur rund 181.000 Neuzugänge durch Absolventen der einschlägigen Ausbildungen gibt, klafft nach Berechnungen des Beratungsunternehmens Prognos in sechs Jahren eine Personallücke von bis zu 191.000 Erzieherinnen und Erziehern. Wie da gegengesteuert werden kann, macht ein Strategiepapier der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) deutlich.

Die Bildungsexperten haben Positivbeispiele aus verschiedenen Ländern gesammelt und Maßnahmen beschrieben, wie dem Problem beizukommen wäre. Da geht es um das in der Bevölkerung zu gering geschätzte Ansehen des Berufs, das viele Menschen abhalte, diesen zu ergreifen. Dem könne durch Erhöhung der Qualifikation und durch Medienkampagnen gegengesteuert werden. Mit Ansehen allein, so wissen auch die Macher der Studie, ist aber nichts zu erreichen. Auch bei der Bezahlung müsse etwas geschehen. Vorbild seien da 19 OECD-Länder, in denen die gesetzlich festgelegten Einstiegsgehälter genau den Einstiegsgehältern von Grundschullehrern entspricht.

Lage in NRW

Personal: Zum Stichtag 1.3.2018 waren 81.200 Erzieher und Erzieherinnen in NRW-Kitas beschäftigt. Vier Prozent von ihnen männlich. Im Schuljahr 2018/2019 waren rund 24.300 Erzieherinnen und Erzieher in der Ausbildung.

Bezüge: Für den öffentlichen Dienst sieht der entsprechende Tarifvertrag als Verdienst für eine/n Erzieher/in in der Entgeltgruppe S 8a, Stufe 3 einen Bruttolohn von 3.217 Euro vor. Bei anderen Trägern, kirchlich oder frei, gelten Tarifverträge oder Haustarife.

Um den Beruf für mehr Menschen zu öffnen und auch ältere Menschen, die zuvor anderweitig tätig waren, in diesen Beruf zu locken, müssten verkürzte Bildungsgänge angeboten werden. In Schweden etwa habe es ein Schnellqualifizierungsprogramm für Bewerber mit Migrationshintergrund gegeben. Wichtig sei auch, Männer als Stellenbewerber anzusprechen. Im OECD-Durchschnitt sind gerade einmal drei Prozent der frühpädagogischen Fachkräfte Männer. Schließlich, so der Rat, sei es wichtig, positive Arbeitsbedingungen zu schaffen. Dazu gehörten Mindeststandards, beispielsweise mit Bezug auf die Zahl der Kinder je Fachkraft.

Diesen Aspekt betont auch die Lehrer- und Erziehergewerkschaft VBE. Deren NRW-Chef Stefan Behlau sagt, es brauche mehr Fachkräfte, um in kleineren Gruppen bestmögliche frühkindliche Bildung bieten zu können. Auch Wertschätzung sei ein wichtiger Faktor. Doch eben diese spiegele sich gerade in den Arbeitsbedingungen wider, die besser werden müssten. Dabei stehe Personalgewinnung an erster Stelle. Behlau: „Das braucht NRW, wenn es eine echte Unterstützung der Familien ermöglichen will und ein Land des Aufstiegs durch Bildung werden soll.“

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