Kein Abschluss ohne Anschluss

3. Februar 2020

Schulen, Agentur für Arbeit und IHK haben viele Angebote zur Berufsorientierung. Schüler sollen in jeglicher Hinsicht auf ihre Zukunft vorbereitet werden.

Ausbildung oder Studium? Handwerklicher, medizinischer, kaufmännischer oder kreativer Beruf? Die Auswahl ist riesig, die Möglichkeiten grenzenlos, Ideen der Schüler jedoch meist mäßig vorhanden. Gerade in der achten bis zehnten Klasse, in der die Schüler sich orientieren sollen, in welchen Bereichen ihre Interessen und Talente liegen, sind die meisten aber eher ratlos.

Genau da versuchen die Schulen mit ihren umfassenden Beratungsangeboten anzusetzen, organisieren Bewerbungstrainings, veranstalten Workshops und bieten Hilfe in allen Fragen rund um Ausbildung und Studium an. Dies geschieht im Rahmen de Initiative „KAoA – Kein Abschluss ohne Anschluss“ des Ministeriums für Schule und Bildung NRW, an dem Institutionen wie die Agentur für Arbeit, die IHK, die Jobcenter und andere in Zusammenarbeit mit den Schulen beteiligt sind.

Seit 2016 läuft das Projekt, welches die Schulen landesweit verpflichtet, in jeder Jahrgangsstufe Felder wie zum Beispiel Praktika-Angebote, Berufsfeldorientierung, Praxisphasen, Hochschul- und Berufsberatung zu durchlaufen.

Eine Schule, die in diesem Bereich viel anbietet, ist die Dieter-Forte-Gesamtschule in Düsseldorf. Hier findet zum Beispiel im März zum ersten Mal der „Tag der Ausbildung“ statt, bei dem die Schüler der 9. und 10. Klasse an Bewerbungstrainings, Benimmkursen und Praxisworkshops teilnehmen können.

Etwas, das bisher immer sehr gut ankam, ist die Azubisprechstunde im eigenen Berufsorientierungsbüro (BOB), erzählt die Leiterin des achten, neunten und zehnten Jahrgangs der Gesamtschule Ursula Uebbing. Dort kommen Auszubildene in ihrer „vollen Montur“ und berichten über ihren Azubialltag, die Aufgaben und Chancen.

In diesem BOB arbeiten außerdem fünf weitere Berater: einer von der Caritas, drei „Berufseinstiegsbegleiter“ von der Awo und eine Dame von der Agentur für Arbeit, die den Schülern zu jeglichen Fragen in Sachen Ausbildung und Beruf zur Seite stehen.

Eigene Stärken und Schwächen einschätzen lernen

Ein Berufsorientierungs-Camp gibt es auch jedes Jahr, bei dem die Schüler drei Tage lang dem Schulalltag entfliehen und sich ganz ihrer Zukunft widmen können. Kletterkurse, Bewerbungs- und Selbstbewusstseinstrainings sollen den angehenden Auszubildenden und Studenten helfen, die eigenen Stärken und Schwächen sowie Ziele besser einschätzen zu können.

„Generell ist alles gut, wo die Schüler rausgehen, sich ausprobieren und selbst etwas machen können“, erklärt Uebbing. Das sei vor allem in der Phase der Berufsfeldorientierung wichtig, die in der achten Klasse beginnt.

Es werde zunehmend wichtiger, die Schüler mit Unternehmen und deren Azubis in Kontakt zu bringen, meint auch Michael Oelkers, Referent Bildung der Bergischen IHK. Sie haben daher im März 2019 das Projekt „Ausbildungsbotschafter“ gestartet.

Auch dort kommen aktuelle Azubis, häufig aus dem zweiten und dritten Lehrjahr, und erzählen von sich sowie von ihren Berufen. „Das kommt ganz anders an, als wenn wir uns da vorne hinstellen und was erzählen. Voll motiviert und stolz berichten die über ihre Berufe, das können wir so gar nicht rüberbringen“, sagt Oelkers. Mehr als 30 Botschafter konnten letztes Jahr schon gewonnen werden, die von der IHK selbst akquiriert und geschult worden sind.

In den höheren Jahrgängen sei die direkte Vermittlung wichtiger, da viele sich schon Gedanken darüber gemacht haben, in welche Richtung es für sie gehen soll. Hier setzt das Projekt „Passgenaue Besetzung“ an, ebenfalls 2019 von der IHK begonnen und als sehr positiv wahrgenommen.

Schüler, die bereits wissen, ob es eine technische oder kaufmännische Ausbildung werden soll, können sich mit ihren Bewerbungsunterlagen an die zuständige Mitarbeiterin der IHK wenden. Diese trifft eine Vorauswahl, wer zu welchem Unternehmen passen könnte, und stellt daraufhin eine Verbindung her mit dem Ziel, ein Vorstellungsgespräch zu vereinbaren. Zusätzlich gibt es Großveranstaltungen wie Vermittlungs- und Ausbildungsbörsen, Infoabende für Eltern, Messen und vieles mehr.

Auch Silvio Geßner, Lehrer an der Gesamtschule Else Lasker-Schüler in Wuppertal, ist der Meinung, die Schüler müssten schon früh für die Berufswahl sensibilisiert werden, da es viele gebe, die „noch keine konkreten Ziele haben“. Erst Ende der 12. Klasse kämen die meisten „aus dem Quark“ und kümmern sich um ihre Zukunft.

Da hilft die Schule ein bis zwei Mal im Schulhalbjahr mit Projekten, in denen sich die Schüler hauptsächlich mit ihren Stärken und Schwächen auseinandersetzen, konkrete Ziele formulieren sollen, um herauszufinden, warum sie eigentlich jeden Tag zur Schule gehen.

Bausteine aus dem so genannten „Lion Quest Programm“ werden genutzt, um in Kleingruppen innerhalb eines Projekttages die „intrinsische Motivation“ der Jugendlichen zu fördern. Denn wenn sie selbst nicht wollen, könne ihnen auch kein Training und keine Beratung der Welt helfen, das Passende für sie zu finden, meint Geßner.

(Quelle: wz.de – von Maren Boots)

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