Lernort für angehende evangelische Pfarrer

18. März 2019

Oben auf dem „Heiligen Berg“ in unmittelbarer Nähe des Naherholungsgebietes Hardt hat die Kirchliche Hochschule Wuppertal/Bethel ihren Sitz. Sie ist eine von zwei Theologischen Fakultäten in Deutschland mit landeskirchlicher Trägerschaft und Finanzierung. Die andere befindet sich in der Nähe von Nürnberg, im protestantischen Teil Bayerns. Die „KiHo“ Wuppertal/Bethel ist 2006 aus einer Fusion der zwei Kirchlichen Hochschulen Wuppertal und Bethel entstanden.

Rund 200 Studentinnen und Studenten, meist aus dem Gebiet nördlich der Main-Linie, absolvieren auf dem „Heiligen Berg“ ein zwölf bis 14 Semester dauerndes Theologiestudium mit dem Ziel, Pfarrerin oder Pfarrer zu werden. Dabei ist es üblich, so der Studiendekan der Kirchlichen Hochschule, Ephorus (Leiter des Predigerseminars) Dr. Alexander B. Ernst, dass die Studierenden nach der Hälfte ihrer Regelstudienzeit den Rest ihres Studiums an einer anderen Fakultät, beispielsweise in Tübingen, Heidelberg oder Göttingen verbringen.

Das Institut für Diakoniewissenschaft und Diakonie-Management, kurz „IDM“, in Bielefeld-Bethel ist, so erläutert der Wirtschaftswissenschaftler (mit starker Bindung zur Theologie) Professor Dr. Martin Büscher, der Rektor der Kirchlichen Hochschule Wuppertal/Bethel, ein Novum in der Landschaft der Fakultäten. Hier werden Führungspersönlichkeiten in Kirche und Diakonie aus ganz Deutschland berufsbegleitend weiterqualifiziert, wobei auch das Berufsbild eines Pfarrers und dessen Arbeit in der Kirchengemeinde durchaus Führungsqualitäten erfordern.

Warum eine Kirchliche Hochschule in Wuppertal, hat die Bergische Universität doch auch einen theologischen Zweig? Die Bergische Uni hat keinen grundständigen Studiengang für Pfarrerinnen und Pfarrer, sondern nur einen religionspädagogischen für angehende Lehrerinnen und Lehrer. Dennoch gibt es eine gut funktionierende Kooperation mit der Bergischen Uni, die es den Studierenden beider Orte ermöglicht, ganz unkompliziert am anderen Ort Vorlesungen zu besuchen. Auch die Professorinnen und Professoren arbeiten in der Forschung oft eng zusammen. Das Biblisch-Archäologische-Institut der KiHo, kurz BAI, unter der Leitung von Prof. Dr. Dr. Dr. h.c. Dieter Vieweger, ist hier das herausragendste Forschungsinstitut. Es hat seine Räume an der Bergischen Uni.

Was ist das Besondere eines Studiums an der Kirchlichen Hochschule in Wuppertal? „Ein Schwerpunkt der KiHo ist seit jeher die Lehre der alten Sprachen, nämlich Griechisch, Latein und Hebräisch, die zum Verständnis der evangelischen Theologie unerlässlich sind“, so Ernst, der selbst „Dozent für Biblisches Hebräisch“ auf seiner Visitenkarte stehen hat. „Eine äußerst spannende Angelegenheit“, charakterisiert er die Sprache der alten Hebräer. „Auch geben wir der Spiritualität besonderen Raum, dem gemeinsamen Leben und Gottesdienst. Die KiHo hat auch ein Studierendenwohnheim und eine Kapelle. Weil es in der Theologie, auch in der Wissenschaft, immer um den Menschen geht, sein Leben, seine eigene kirchliche Tradition und seine Zukunft. Theologie als Wissenschaft ist eine Bewegung der Kirche und führt wieder zu ihr hin. Studieren und Leben, Forschen und Feiern gehören zusammen.“

In fünf Thesen zum Profil Kirchlicher Hochschulen sehen sich diese auch als Denkwerkstätten. Beispielsweise in der Feministischen Theologie. „Unsere weiblichen Studierenden merken an, dass die Bibel von einem Mann, nämlich Martin Luther, übersetzt wurde, und dass Frauen da sicher so manche Stelle anders formuliert hätten“, berichtet der Rektor und fügt an, dass es da durchaus kontroverse Diskussionen mit den männlichen Kommilitonen gebe.

Zu den Arbeiten der Denkwerkstätten gehört auch die Entwicklung eines neuen Profils der Kirchlichen Hochschulen. Dabei reicht es nicht, allein auf den Gründungsimpuls der KiHo in Wuppertal zu verweisen: die Thesen der Barmer Erklärung von 1934, in der die Kirche den Absolutheitsanspruch des Nationalsozialistischen Staates ablehnt und schließlich eine eigene theologische Ausbildung fordert.

An der Kirchlichen Hochschule auf dem „Heiligen Berg“ wird auch der christlich-jüdische Dialog gepflegt: „Es besteht eine ständige Gastprofessur, in deren Rahmen alle zwei Jahre ein jüdischer Dozent für jeweils ein Semester bei uns lehrt. Außerdem besuchen unsere Studierenden auch schon einmal die Synagoge“, berichtet Ephorus Dr. Ernst und weist zudem auf den in der deutschen Universitätslandschaft eher ungewöhnlichen Lehrstuhl für Religionswissenschaften hin.

Dennoch quält die christlichen Kirchen gemeinsam eine große Sorge: der Mangel an Nachwuchs für den Beruf der Pfarrerin und des Pfarrers. „Der zeichnet sich deutlich ab“, sagt Professor Büscher. „Unser Gedanke ist es daher, dass wir es auch Quereinsteigern wie Psychologen, Juristen, Ärzten oder Lehrern mit Berufserfahrung, vielleicht zwischen 35 und 40 Jahren alt, ermöglichen wollen, in einem berufsbegleitenden Studium den insgeheim gehegten Wunsch, Pfarrer oder Pfarrerin zu werden, verwirklichen“, erklärt der Hochschul-Rektor. Erste Schritte dieses Weges ins Pfarramt sind schon gemacht.“ Auch hier ist die Kirchliche Hochschule Wuppertal/Bethel mit im Boot. „Wir schaffen die Voraussetzungen dafür und möchten ab 2020 einen entsprechenden berufsbegleitenden Studiengang anbieten“, verrät Ephorus Dr. Alexander B. Ernst.

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