Das große Werben um Auszubildende

Das große Werben um Auszubildende

18. November 2021

Die IHK, Kreishandwerkerschaft und die Agentur für Arbeit ziehen Bilanz des Ausbildungsjahres 2021. Insgesamt im Minus, aber doch erstaunlich robust präsentiert sich der Ausbildungsmarkt in Krefeld und am Niederrhein. Das ist das grobe Fazit, das die Industrie- und Handelskammer (IHK), die Kreishandwerkerschaften in Krefeld und Mönchengladbach sowie die Arbeitsagenturen der beiden Städte am 17. November bei der IHK am Nordwall zogen. Doch das große Werben um Auszubildende hört deshalb nicht auf.

Denn schaut man genauer hin auf Regionen und Branchen, differenziert sich das Bild. Und dabei sieht es leider gerade in Krefeld eher schlecht aus. Hier meldet die IHK eine weiter gesunkene Zahl von abgeschlossenen Ausbildungsverträgen gegenüber 2020 um 4,2 Prozent auf insgesamt 994. Das ist zwar deutlich schlechter als das Ergebnis in Mönchengladbach (plus 2,2 Prozent), aber weitaus besser als der NRW-Schnitt (minus 9,1 Prozent). Wieder muss differenziert werden: Im gewerblich-technischen Bereich begannen 2021 sogar mehr junge Leute eine Ausbildung als 2020; im kaufmännischen Bereich dagegen ging es massiv bergab. Für IHK-Hauptgeschäftsführer Jürgen Steinmetz ist das kein Wunder, „angesichts der pandemiebedingten Einbußen im Handel, in der Gastronomie und im Tourismus“. Gleichwohl ist er zuversichtlich, dass im Kammerbezirk insgesamt noch die 4000er-Marke geknackt wird, aktuell wurden am Mittleren Niederrhein 3888 neue Ausbildungsverträge unterzeichnet.

 

Es gibt weniger Bewerber als offene Ausbildungsstellen

Noch ärgerlicher ist die Talfahrt im Handwerk. Die Kreishandwerkerschaft meldet für dieses Jahr 265 neue Azubis, während es 307 im Vor-Coronajahr 2019 und 276 in 2020 waren. „Das ist dramatisch“, sagt Hauptgeschäftsführer Marc Peters, „wir haben keine Erklärung dafür“. Bei den Branchen gab es in Krefeld Abschwächungen im Holzgewerbe oder im Elektro- und Metallhandwerk. Ein Grund liegt stets in der Coronakrise, was auch für den Friseurberuf gilt, der mittlerweile unter erheblichem Nachwuchsmangel leidet. Keine oder kaum negative Auswirkungen hat die Pandemie dagegen nach wie vor in den Bau- und Ausbaugewerken.

Alle, Industrie, Handel und Handwerk, leiden seit Jahren an einem strukturellen Problem: Es fehlt ihnen an Nachwuchs. 2021 hat die Arbeitsagentur Krefeld und Kreis Viersen einen Bewerberrückgang von gut zehn Prozent ermittelt, 3197 Bewerberinnen und Bewerbern standen im Bezirk 3459 Ausbildungsstellen gegenüber. „Der Wandel zum Bewerbermarkt geht also weiter“, sagt Arbeitsagentur-Geschäftsführerin Bettina Rademacher-Bensing. Positiv bewertet sie zweierlei: Dass die Arbeitgeber trotz Corona keine Lehrstellen streichen. „Und dass unentschlossene Jugendliche zum Jahresende noch alle Chancen auf einen guten Ausbildungsplatz haben.“ Zuletzt ist die Zahl der noch Unversorgten stark gefallen, Ende September waren es 307 im Agenturbezirk, jetzt sind es nur noch 127, für Rademacher-Bensing Beweis dafür, „dass wir bei der Beratung sehr eng an den Jugendlichen dran sind“. Somit geht das große Werben um Auszubildende in den Betrieben weiter.

Generell aber hat die Lehrstelle weiterhin ein zu schlechtes Image, vor allem bei Abiturienten – jedenfalls im Vergleich zum Studium. Da können die Funktionäre in Wirtschaft und Politik noch so sehr – und mit Recht – darauf hinweisen, dass eine Ausbildung oft mindestens so gut den Weg in ein erfolgreiches Berufsleben ebnet wie der sofortige Gang nach der Schule an die Universität. Jürgen Steinmetz (IHK) betont, dass Kammern und Unternehmen sehr wohl neue Anreize setzten, fordert zugleich aber, immer wieder neue Wege auszuprobieren: „Zum Beispiel sollten mehr junge und erfolgreiche Ausgebildete in die Schulen gehen und als Vorbilder von ihrem Werdegang berichten.“

 

Das sind die beliebtesten Berufe

Die IHK hat Ranglisten der beliebtesten Ausbildungsberufe erstellt. Im gewerblich-technischen Bereich liegt der/die Chemikant(in) vor den Industriemechanikern, den Fachinformatikern Systemintegration, Elektronikern und Mechatronikern. Bei den kaufmännischen Berufen sind die Kaufleute für Büromanagement spitze, gefolgt von Kaufmann/Kauffrau im Einzelhandel und Verkäufer(in).

 

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