Bewerbungstraining

Bewerbungstraining: Gute Vorbereitung ist (fast) alles

18. Januar 2021

Den Bewerbungsprozess gut meistern – das wünschen sich Jugendliche für ihre Ausbildungsstelle. Aber bei der Suche nach einem passenden Ausbildungsplatz und der Erstellung der Bewerbungsunterlagen ist so manche Hürde zu nehmen. Anja Topmöller war lange für die Agentur für Arbeit als Bewerbungstrainerin tätig und weiß, worauf es ankommt.

Das Gespräch führte Julia Klinkusch

Frau Topmöller, was versteht man eigentlich unter einem Bewerbungstraining?

Anja Topmöller: Grundsätzlich geht es darum, den Bewerber bestmöglich vorzubereiten. Von der Bewerbung selbst bis hin zum Vorstellungsgespräch. Gerade bei Jugendlichen, die sich auf eine Ausbildungsstelle bewerben, kann der Bewerbungstrainer auch noch einmal schauen, wohin der Weg gehen soll. Wo liegen die Stärken, was machen die Bewerber gern in ihrer Freizeit, was widerstrebt ihnen? Man will eine Vertrauensbasis schaffen, denn die Teilnehmer eines Bewerbungstrainings sollten sich öffnen können. Fällt währenddessen auf, dass die Wünsche und Vorstellungen des Traumberufs in Diskrepanz dazu stehen, wie sich der Bewerber im Training verhält, kann man gegensteuern. Wer während des Trainings sehr schüchtern und still ist, sollte vielleicht besser keinen Beruf ergreifen, bei dem beispielsweise viel Kundenkontakt besteht. Man kann im Bewerbungstraining viel auffangen. Man kann den Jugendlichen dabei helfen, sich selbst bewusst zu machen, wo sie hin wollen und wer sie sind. Nur wer sich bewusst ist, was er will, kann das auch nach außen hin präsentieren.

Sich selbstbewusst präsentieren ist das eine, einen passenden Lebenslauf präsentieren das andere. Gerade Jugendliche können noch nicht viel Berufserfahrung vorweisen. Wie können sie ihre Stärken im Lebenslauf hervorheben?

Topmöller: Bei Jugendlichen im Alter von 15 bis 17 Jahren ist es oftmals so, dass sie ein Hobby haben, Nebenjobs nachgehen oder sich ehrenamtlich engagieren. Wer drei Jahre lang Zeitungen ausgetragen hat, darf das in den Lebenslauf schreiben. Das zeigt dem Arbeitgeber nicht nur, dass man Zuverlässigkeit an den Tag legt, sondern auch, dass man Durchhaltevermögen besitzt. Wer in der Freizeit gern schwimmt und im Sommer dem Bademeister ehrenamtlich im Freibad assistiert, kann damit sein Verantwortungsgefühl unterstreichen. Grundsätzlich kommen Nebenjobs oder entsprechende Hobbys gut an. Zeitintensive oder nicht ganz ungefährliche Ehrenämter wie beispielsweise eine Tätigkeit bei der Freiwilligen Feuerwehr sollte man im Vorstellungsgespräch positiv verkaufen. Im Bewerbungstraining kann man den Jugendlichen vermitteln, worauf Personaler achten, und was sie aus den Angaben im Lebenslauf lesen. Personalchefs wollen etwas über den Bewerber wissen, es gilt also, sich vorzubereiten. Am wichtigsten ist der Perspektivwechsel. Der Bewerber sollte sich vorstellen, selbst der Personaler zu sein. Was würde er dann von einem potenziellen Auszubildenden erwarten, worauf würde er achten und was würde er sich für sein Unternehmen wünschen?

Vor allem im Internet wird zum Thema Bewerbung gern auf die typischen Fragen im Vorstellungsgespräch hingewiesen. Passende Antworten werden gleich mitgeliefert – aber die kennen die Personalchefs auch. Wie können Jugendliche damit umgehen?

Topmöller: In einem Bewerbungstraining kommen natürlich auch solche Fragen zur Sprache. Ich habe mir meist 15 bis 20 typische Fragen herausgesucht und bin diese gründlich mit dem Trainingsteilnehmer durchgegangen. Damit ist man eigentlich gut vorbereitet. Ein großes Problem ist immer das Einschätzen der eigenen Stärken und Schwächen. Gerade bei Jugendlichen, die oft noch in der Pubertät stecken und sich selbst noch gar nicht so richtig gefunden haben.

Was raten Sie Jugendlichen, deren Noten im Bewerbungszeugnis nicht die besten sind?

Topmöller: Ganz wichtig ist es, das schon im Anschreiben aufzufangen. Denn das ist das erste, was der Ansprechpartner liest. Man sollte das Zeugnis im Bewusstsein dessen ansprechen, dass die Noten nicht die besten sind, man aber daran arbeiten will. Wenn möglich kann man als Ausgleich praktische Kenntnisse betonen, die man beispielsweise bei Praktika erworben hat.

Die klassische Bewerbungsmappe hat zwar noch nicht ausgedient, aber immer häufiger werden Bewerbungsunterlagen per E-Mail verschickt. Worauf sollte man dabei besonders achten?

Topmöller: Im Bewerbungstraining wird natürlich auch über das Erstellen der Unterlagen gesprochen. Wenn in einer Anzeige die Unterlagen per E-Mail angefordert werden, kann man entweder den E-Mail-Text als kleines Anschreiben nutzen oder die Unterlagen als komplette PDF-Datei verschicken. Ich empfehle gern, mit Deckblatt zu arbeiten, auf dem sich auch das Bild des Bewerbers findet. Dann folgen Anschreiben, Lebenslauf, Zeugnisse und Praktikumsbescheinigungen in einem einzigen PDF. Gerade Jugendliche sollten darauf achten, dass am Smartphone erstellte Unterlagen aufgrund der Formatierung am PC ganz anders aussehen können. Deshalb sollten solche PDFs immer noch einmal an einem klassischen Computer kontrolliert werden. Sonst kann es passieren, dass der Ansprechpartner keine geordnete Datei erhält, sondern Kraut und Rüben.

Was sind typische Fehler, die künftige Auszubildende bei ihrer Bewerbung unbedingt vermeiden sollten?

Topmöller: Im Bewerbungstraining wird immer darauf hingewiesen, dass ein Standrad-Anschreiben, bei dem man nur Firmennamen und Ansprechpartner austauscht, ein absolutes No-Go ist. Das wird von Personalern schnell durchschaut – die üblichen Formulierungen sind bekannt. Noch gravierender ist es, wenn ein falscher Ansprechpartner im Schreiben steht oder ein falsches Datum. Rechtschreibfehler sollten ebenfalls vermieden werden. Ein weiterer Fauxpas, der meist erst im Vorstellungsgespräch zum Tragen kommt, ist mangelnde Vorbereitung. Man sollte sich gründlich über das Unternehmen informieren, nicht nur auf der Firmen-Homepage. Ist der Betrieb sozial engagiert? Bietet er besondere Angebote für Auszubildende? Das sollte man schon wissen. Zu guter Letzt gehört natürlich auch Pünktlichkeit beim Vorstellungsgespräch dazu. Grundsätzlich gilt aber auch: Es dürfen Fehler passieren, man muss aber immer entsprechend kommunizieren. Auch das lernt man in einem guten Bewerbungstraining.

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