Bewerberin sitzt vor zwei Personen im Vorstellungsgespräch und hält ihren Lebenslauf in der Hand.

Bewerbungsgespräch: Welche Fragen sind ein No-Go?

Hobbys? Schulbildung? Stärken und Schwächen? Das sind Fragen, die in jedem Bewerbungsgespräch vorkommen. Sie sind gängig und erlaubt. Anders sieht es mit Fragen nach Familienplanung oder politischen Ansichten aus. Diese dürfen Personaler nicht stellen. Doch auch so mancher Bewerber stellt Fragen, die er sich besser verkniffen hätte. Hier gibt‘s eine Auswahl kurioser Fragen – und Tipps, welche man sich besser verkneift.

Als Bewerber:

  1. „Könnte ich bitte einen Cocktail bekommen?“ Ja – diese Frage ist tatsächlich in einem Bewerbungsgespräch gestellt worden. Und sie ist ein absolutes No-Go. Es ist sicher legitim, wenn Du an heißen Tagen um etwas zu trinken bittest. Aber bitte nur um ein Glas Wasser. Wird im Gegenzug vom Gesprächspartner ein Getränk angeboten, kannst Du Dich für Wasser oder, falls genannt, Kaffee oder Tee entscheiden. Die Bitte nach etwas Alkoholischem verbietet sich von selbst. Aber auch mit ausgefallenen Getränkewünschen (Ginger Ale, Traubensaftschorle, Vanille-Cola, heiße Schokolade mit Sahne) tust Du Dir keinen Gefallen. Zum einen bringst Du den Gesprächspartner in Verlegenheit, wenn er diese nicht erfüllen kann. Zum anderen zeigst Du damit eine Extravaganz, die für Deine Bewertung im Vorstellungsgespräch sicher nicht von Vorteil ist.
  2. „Bekomme ich einen Firmenwagen/ein Diensthandy?“ Du hast Dich auf einen Führungsposten beworben? Gratulation. Dann mag es legitim sein, wenn Du diese Frage stellst – gern gehört wird sie trotzdem nicht. Oder war es doch „nur“ eine Ausbildungsstelle? Kaum eine Firma wird ihrem künftigen Auszubildenden einen Firmenwagen zur Verfügung stellen. Es sei denn, Du hast Dich als Pizzalieferant beworben. Ansonsten gilt: Sollte dieser Luxus (das gilt auch für ein Handy) tatsächlich zu Deiner künftigen Ausbildungsstelle gehören, wird es Dein Gesprächspartner sicher erwähnen.
  3. „Was macht Ihr Unternehmen eigentlich?“ Solltest Du diese Frage stellen, wenn Dich der Personaler auffordert, etwas über das Unternehmen zu erzählen, kannst Du gleich wieder gehen. Diese Frage mag nicht kurios sein, sollte aber in einem Bewerbungsgespräch niemals fallen (und es ist dennoch mehr als einmal passiert). Es gehört zur Vorbereitung, dass Du weißt, in welchem Unternehmen Du Dich bewirbst.
  4. „Welches Gehalt kann ich erwarten?“ Es mag Dir normal erscheinen, diese Frage zu stellen. Doch Du schießt Dich damit in zweierlei Hinsicht ins Aus. Zum einen wird diese Frage meist von den Personalchefs gestellt, die nach dem Wunschgehalt fragen. Für Auszubildende fällt diese Frage im Bewerbungsgespräch allerdings ohnehin meist weg. Denn in vielen Branchen werden die Ausbildungsgehälter durch Tarifverträge geregelt. Es ist also unwahrscheinlich, dass Du auf Nachfrage ein höheres Gehalt angeboten bekommst. Zudem signalisiert Du mit dieser Frage, dass Du Dich vorher nicht ausreichend informiert hast.
  5. „Ab wann kann ich zum ersten Mal Urlaub nehmen?“ Du glaubst, solche Fragen werden Bewerbungsgespräch nicht gestellt? Falsch. Manch einem Bewerber scheint die Freizeit wichtiger zu sein als der Job. Denn nichts anderes signalisierst Du mit dieser Frage. Und das wird kaum einem Personaler gefallen.

Als Personaler:

Neben den typischen Fragen nach Religionszugehörigkeit oder politischen Ansichten sowie dem Beziehungsstatus, die Personalchefs rechtlich nicht stellen dürfen, gibt es einige Gesprächspartner, die bewusst kuriose Fragen stellen, um herauszufinden, wie die Bewerber reagieren. Hier eine Auswahl:

  1. „Wie schmeckt Ihnen der Kaffee?“ Eine harmlose Frage, die Dir im ersten Moment komisch vorkommen mag, aber gar nicht so selten ist. Wenn Du überschwänglich lobend antwortest, gibst Du schnell als Schleimer. Ein einfaches „Danke, (sehr) gut“, ist sicherlich die beste Antwort. Sollte der Kaffee wirklich nicht schmecken, ist in diesem Fall die Notlüge erlaubt.
  2. „Was würden Sie kochen, wenn ich zu Ihnen zum Essen kommen würde?“ Diese Frage wurde tatsächlich schon an einen Bewerber gestellt. Seine Antwort lautete „Tiefkühlpizza“. Den Job hat er nicht bekommen. Ob es an der Tiefkühlpizza lag, ist nicht übermittelt. Falls Dir tatsächlich einmal diese Frage gestellt wird, antworte am besten mit einer augenzwinkernden Gegenfrage: „Was essen Sie denn gern?“
  3. „Welches Küchengerät wären Sie gern?“ Eine äußerst kuriose Frage, die durchaus schon häufiger gestellt wurde. Eine wirklich passende Antwort wirst Du darauf wohl nicht finden. Die Standardantwort „eine Küchenmaschine – die ist ein Allrounder“, haben Personaler inzwischen so oft gehört, dass sie sie dem Bewerber nicht mehr abnehmen. Wichtig ist weniger, was Du letztlich nennst, sondern wie Du es begründest.
  4. „Wie viele Smarties passen in ein Smart?“ Solche Fragen im Bewerbungsgespräch gehören zu den sogenannten Brainteaser-Fragen und sollen logisches Denken testen. Gemeinerweise wirst Du sie meist zwischen völlig harmlosen Fragen zu hören bekommen. Wichtig dabei ist nicht die richtige Antwort, sondern dass Du Dich nicht irritieren lässt und versuchst, sachlich und vernünftig nach einer Lösung zu suchen und diese auch erläuterst.
  5. „Haben Sie noch Fragen?“ Die gemeinste Frage im Bewerbungsgespräch überhaupt. Denn schnell bist Du versucht, „Nein“ zu sagen. Schließlich hat Dein Gesprächspartner ja alles Wichtige erwähnt und Du willst ihm nicht das Gefühl geben, er hätte etwas vergessen. Es ist der größte Fehler, den Du machen kannst. Denn mit einem „Nein“ signalisiert Du dem Personalchef absolutes Desinteresse. Nutze die Gelegenheit und stelle Fragen zum Unternehmen, die Dich wirklich interessieren (und wie oben erwähnt: Nein, die nach dem Firmenwagen gehört nicht dazu).

Von Julia Klinkusch

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