„Markt der Berufe“ – Berufsorientierung auf die praktische Art

21. Mai 2019

Beim „Markt der Berufe“ durften über 230 Schülerinnen und Schüler der 9. Klassen in die Branche des Handwerks und vieler weiterer spannender Berufe hineinschnuppern. Um den Jugendlichen einen ersten realistischen Einblick in die Berufswelt zu geben, haben sich die 19 teilnehmenden Unternehmen abwechslungsreiche Aufgaben ausgedacht.

Einfach mal ran an Mörtel und Spachtel: Unter der Anleitung von Maurer Fabian Voss haben Schülerinnen und Schüler Ziegelsteine aufgestapelt und verputzt. Die erste eigenhändig erbaute Mauer sah bei einigen schon gar nicht so schlecht aus. Etwas mehr Fingerspitzengefühl brauchten die Jugendlichen dagegen beim Plätzchenverzieren mit der Bäckerei Dahlmann. Und auch beim Löten war eine ruhige Hand von Vorteil. Da wurde schnell klar, wo die eigenen Stärken liegen.

Und genau darum geht es beim Markt der Berufe schließlich: Selber ausprobieren statt nur darüber zu reden. Damit die Jugendlichen eine Vorstellung von den verschiedenen Berufen bekommen und für sich später die richtige Wahl treffen, sind Veranstaltungen wie der Markt der Berufe eine Bereicherung. In Gruppen wurden die ausgewählten Schülerinnen und Schüler der 13 teilnehmenden Förder-, Haupt-, Real- und Gesamtschulen durch einen Parcours mit verschiedenen Aufgaben geführt. Diese wurden in jeweils 20-30 Minuten bearbeitet, bevor es dann zur nächsten Station ging.

Hierbei kamen die Jugendlichen auf ganz natürliche Weise mit den Unternehmen ins Gespräch. Viele Firmen brachten ihre Auszubildenden mit, die den Schülerinnen und Schülern auf Augenhöhe von den Anforderungen an den Beruf erzählen konnten. Michael Grunewald von TALWORKS bestätigt: „So gibt es einen viel direkteren und ehrlicheren Austausch mit Schülern. Es macht einen großen Unterschied, ob sie mit den Auszubildenden oder mit den Firmenchefs sprechen“.

Wichtige Veranstaltung für Jugendliche und Unternehmen

Aber nicht nur die Jugendlichen profitieren vom Markt der Berufe, der auch dieses Jahr wieder bei TALWORKS, dem Zentrum für Berufsorientierung, stattfand. Auch die Unternehmen schätzen die Möglichkeit, direkt mit dem Nachwuchs von morgen ins Gespräch zu kommen. Für Friseurmeisterin Vanessa Lueg von hairEVENT ist es wichtig, an solchen Veranstaltungen teilzunehmen und ihren Beruf zu präsentieren: „Im Moment ist es sehr schwierig Nachwuchs zu finden. Wir haben in diesem Jahr erst eine einzige Bewerbung bekommen“, erzählt Vanessa Lueg. Die Branche würde zunehmend unter einem schlechten Image leiden.

Das bestätigt auch Andrea Milunovic vom Wichernhaus. Sie arbeitet als Ausbildungsleiterin des Qualifizierungszentrums Textil und weiß, dass viele Jugendliche eine falsche Vorstellung von der Textilwirtschaft haben. Viele würden dabei „nur an stricken, häkeln oder nähen“ denken. Dabei werden Textilien für ganz verschiedene Bereiche hergestellt, zum Beispiel für die Industrie, die Automobilbranche oder Medizin. Das wäre vielen aber gar nicht bewusst.

Umso wichtiger ist es, dass die Jugendlichen frühzeitig über die verschiedenen Berufe informiert werden und herausfinden, wo ihre Stärken liegen. Dank des bunten Programms war für jeden Geschmack und jedes Talent etwas dabei. Die 16-jährige Rojin interessierte sich für einen Beruf in der Altenpflege. „Ich mag es mit Menschen zu arbeiten und mit ihnen zu reden“, erzählt die Schülerin der Hauptschule Oberbarmen. Der gleichaltrige David von der Helene-Stöcker-Schule begeistert sich
dagegen für den Gartenlandschaftsbau: „Ich möchte draußen sein und mit Pflanzen arbeiten“. Eifrig verlegt er Steine auf einer Sandfläche, die die Landschaftsgärtnerei Leonhards mitgebracht hat. Am Stand der Vorwerk Elektrowerke kommt der technikbegeisterte Mehmet auf seine Kosten und baut seine erste elektrische Schaltung zusammen. Daneben gab es noch zahlreiche weitere Berufe, die zum
reinschnuppern einluden, wie Dachdecker, Bäcker oder Maler.

Ein Highlight waren auch das Löschfahrzeug und der Krankenwagen, den die Berufsfeuerwehr mitgebracht hat. Die Fahrzeuge wurden von den Schülerinnen und Schülern von außen und von innen genau begutachtet. Die Jugendlichen konnten an einem Dummy Reanimierungsmaßnahmen durchführen oder die richtige Technik beim Löschschlauch auswerfen üben. Das kam richtig gut an bei den Jugendlichen und führte schnell zu den Fragen, welche Ausbildungsmöglichkeiten es bei der
Feuerwehr gibt und welche Voraussetzungen dafür nötig sind.

Dementsprechend zufrieden zeigten sich auch die Veranstalter: „Wir erleben hier eine Menge interessierte Schülerinnen und Schüler und sehr engagierte Aussteller“, so Sascha Bomann von der Kreishandwerkerschaft Solingen-Wuppertal. Organisiert wurde der Markt der Berufe von der Wirtschaftsförderung in Zusammenarbeit mit TALWORKS, der Kreishandwerkerschaft Solingen-Wuppertal, der Agentur für Arbeit sowie dem Jobcenter im Rahmen der Landesinitiative „Kein Abschluss ohne Anschluss“. Gesponsert wurde der Markt der Berufe von der Volksbank im Bergischen
Land.

 

Möglichst viel mitnehmen

Überall wurde gewerkelt, gelötet und gebaut. Und vielleicht wurde dabei bereits das eine oder andere Talent entdeckt oder ein wichtiger Kontakt geknüpft. Spaß hatten die Jugendlichen auf jeden Fall. Die Stimmung reichte von fröhlich bis hochkonzentriert. Und weil die Schülerinnen und Schüler beim Markt der Berufe vieles selber ausprobieren dürfen, bleiben diese Erfahrungen besonders haften.
Bei Dachdecker Mende durften die Jugendlichen ein Herz aus Schiefer ausschlagen und konnten so direkt ein Andenken mit nach Hause nehmen. Genauso wie zahlreiche spannende Einblicke und eine nun hoffentlich klarere Vorstellung über die eigene berufliche Zukunft.

Bei Rückfragen: Melanie Henke (E-Mail: henke@wf-wuppertal.de; Tel.: 0202 2480737)

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