Münzgeld in Stapeln mit Würfel auf dem "BAföG" zu lesen ist.

BAföG oder Studienkredit: Was ist besser?

30. Juli 2020

Nicht jeder hat die Möglichkeit, sich während des Studiums von den Eltern oder dem Partner unterstützen zu lassen. In solchen Fällen bedarf es einer Studienfinanzierung. Neben dem klassischen BAföG gibt es verschiedene Studienkredite.

Was ist BAföG?

Das BAföG ist das Bundesausbildungsförderungsgesetz. Umgangssprachlich wird der Begriff aber auch für die Bargeldförderung (dann: Bafög) benutzt, die durch dieses Gesetz geregelt ist. Man spricht dann oft von „Bafög bekommen“. Das BAföG soll Schülern aus einkommensschwächeren Familien ein Studium oder eine kostenpflichtige Ausbildung (zum Beispiel Physiotherapeut, Pilot oder Heilpraktiker) ermöglichen. Eigentlich sollte das BAföG dafür sorgen, dass sich junge Menschen ohne Ablenkung auf ihr Studium konzentrieren, ohne einen Nebenjob annehmen zu müssen. Das funktioniert allerdings nicht: Nach Angaben des Deutschen Studentenwerks hatten im Jahr 2019 rund 67 Prozent aller Studierenden noch einen Job neben dem Studium. Übrigens: Das BAFöG unterstützt nicht nur das Studium an Universitäten und Fachhochschulen, sondern auch Ausbildungen an anderen weiterführenden Bildungsstätten.

Nicht jeder Studierende oder Azubi hat Anspruch auf Bafög. Erste Voraussetzung ist eine förderungsfähige Ausbildung. Weiterhin gelten bestimmte persönliche Voraussetzungen des Antragstellers. So darf der Ausbildungs- oder Studienbedarf nicht durch eigenes Einkommen, durch das Einkommen eines Ehepartners oder bestehendes Vermögen der Eltern gedeckt sein. Duale Ausbildungen, egal ob duales Studium oder duale Berufsausbildung, sind grundsätzlich nicht förderungsfähig.

Die Höchstbeträge für BföG-Förderungen zur Studienfinanzierung liegen aktuell (Stand SS 2020) bei 744 Euro pro Monat für kinderlose Studierende, die nicht mehr bei den Eltern leben und bei 583 Euro pro Monat für kinderlose Studierende, die noch bei den Eltern leben. Studierende mit Kindern erhalten ab dem Wintersemester 2020/21 für jedes Kind unter zehn Jahren einen Betreuungszuschlag von 150 Euro.

Was ist ein Studienkredit?

Die heutigen Studienkredite gibt es seit der Einführung der Studiengebühren im Wintersemester 2005/06. Anders als die BAföG-Förderung stehen sie fast jedem Studierenden offen. Einzige Einschränkungen: Der Antragsteller darf ausschließlich studieren und hat das 31. Lebensjahr noch nicht vollendet. Studienkredite erweitern die Finanzierungsmöglichkeiten eines Studiums deutlich. Ein Studienkredit kann auch zusätzlich zu BAföG-Leistungen beantragt werden. Bekanntester Anbieter ist die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW). Diese Darlehen sind staatlich subventioniert. Die KfW bietet ihre Studienkredite bundesweit an. Zusätzlich gibt es passende Darlehen von Banken und Sparkassen, die aber meist nur in einem Bundesland oder sogar nur regional angeboten werden. Die Zinssätze für Studienkredite unterscheiden sich stark.

Studierende, die einen Studienkredit aufnehmen wollen, sollten deshalb die Konditionen vorher sorgfältig vergleichen. Dabei sollten sie insbesondere die Summe im Blick haben, die sie voraussichtlich zurückzahlen müssen. Für die KfW-Studienkredite sind häufig die Studentenwerke der Universitäten und Fachhochschulen Partner. Sie helfen nicht nur bei den Krediten, sondern beraten auch zu anderen, manchmal günstigeren Möglichkeiten der Studienfinanzierung.

Ein Studienkredit bietet sich vor allem für jene an, die keine Förderung nach BAföG erhalten und die trotzdem nicht von ihren Eltern oder Ehepartnern unterstützt werden. Das gesamte Studium sollte aber möglichst nicht darüber finanziert werden. Grund dafür sind die hohen Rückzahlungen, die sich am Ende eines Studiums auf einige 10.000 Euro belaufen können. Je länger die Rückzahlung dauert, desto mehr erhöhen sich durch die Zinsen die Zahlungsbeträge.

Vor- und Nachteile von Bafög und Studienkredit

Studienkredite haben keinen guten Ruf und gelten als Notlösung. Dem Deutschen Studentenwerk zur Folge nehmen nur vier Prozent aller Studierenden ein Studienkredit auf. 87 Prozent werden von den Eltern finanziert, 29 Prozent erhalten Bafög. Letzteres ist, wenn man die Voraussetzung erfüllt, die bessere Lösung. Die Verpflichtung, die Azubis oder Studierende eingehen, ist relativ gering: Sie müssen Leistungsnachweise erbringen und somit aufzeigen, dass sie zum entsprechenden Studium befähigt sind. Aber auch beim Studienkredit müssen regelmäßig Leistungsnachweise vorgelegt werden. Ein Nachteil beider Finanzierungsmöglichkeiten besteht darin, dass junge Menschen nach Studienende bereits verschuldet ins Arbeitsleben starten.

Von Julia Klinkusch

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