Auch mit kleinem Gehalt: Das sind Wohnmöglichkeiten für Azubis

20. Januar 2020

Die Hälfte der Auszubildenden in Düsseldorf kommt aus dem Umland, vor allem vom Niederrhein oder aus dem Ruhrpott. „Wir haben in Düsseldorf viele Branchen, die es nur hier gibt“, sagt Clemens Urbanek von der IHK. Angesichts des Fachkräftemangels und der Akademisierung sei es eine Herausforderung mehr Azubis zu gewinnen. Die Mieten für eine Wohnung übersteigen in der Landeshauptstadt häufig die überschaubare Ausbildungsvergütung der Jugendlichen, so Urbanek.

Eine Initiative aus Industrie- und Handelskammer, Handwerkskammer, Unternehmerschaft und dem Gewerkschaftsbund hat sich dafür eingesetzt, in Düsseldorf Wohnungen für Azubis zu schaffen. Im August 2018 startete die Stadt ein Modellprojekt mit zwölf Wohnplätzen in Flingern. In der Wohngemeinschaft hat jeder Auszubildende ein Zimmer für sich. Geteilt werden die Bäder, eine Küche, das Wohnzimmer mit Fernseher sowie Waschmaschinen und Trockner. Pro Monat kostet ein Zimmer 200 Euro plus 50 Euro Nebenkosten. Die Bewerber müssen mindestens 18 Jahre alt sein und dürfen sich noch nicht in einem Ausbildungsverhältnis befinden.

„Wir sammeln gerade Erfahrungen mit dem Pilotprojekt“, sagt Jugendamtsleiter Johannes Horn. Es sei gut, dass sich die Wohnungen im Gebäude des Kinderspielhauses befinden. „Die Jugendlichen finden auf diese Weise gleich Anschluss“, sagt Horn. Sozialpädagogen seien vor Ort und Ansprechpartner für die jungen Leute. „Wir sind sehr zufrieden mit dem Modell“, so Horn und kündigt den Bau weiterer Azubi-Wohnungen an. Zum Beispiel in der Lacombletstraße 10. Hier soll das Haus der Jugend zurückgebaut werden. Dafür sollen eine Kita sowie ein Neubau mit 22 Azubi-Wohnungen und Büro- und Seminarräumen für den Jugendring Düsseldorf und die Junge Aktionsbühne entstehen. In den kommenden vier bis fünf Jahren sollen insgesamt 200 Azubi-Wohnungen in Düsseldorf gebaut werden. „Wir als Jugendhilfe hoffen, dass mittelständische Unternehmen oder große Firmen mitziehen“, sagt Horn.

Auch die Träger der Wohlfahrtsverbände bieten Azubi-Wohnungen an, teils nur für eigene Auszubildende. Das Angebot der Caritas richtet sich an eigene Auszubildende. In verschiedenen Einrichtungen vermietet der Wohlfahrtsverband 19 Plätze, zum Beispiel in ehemaligen Pfarrhäusern in Lohhausen und Eller. „Mit der Miete wollen wir keinen Gewinn machen, das Objekt muss sich aber selbst tragen“, sagt Stephanie Agethen, Sprecherin des Caritasverbandes Düsseldorf. Auf der Merowinger Straße wird die Caritas in zwei Jahren 24 weitere Appartements für Auszubildende eröffnen. Die Awo bietet ab dem Frühjahr dieses Jahres eine Wohngruppe mit acht Plätzen für Azubis auf der Langenfelder Straße an. Auch der Verein Flingern Mobil stellt seinen Auszubildenden Zimmer in einer WG zur Verfügung. Aktuell wird zum 01. März 2020 eine Wohnung frei.

Interessant für minderjährige Jugendliche ist das Angebot des Kolpinghauses Düsseldorf. Es bietet Jugendwohnen für 72 junge Menschen an, die aus beruflichen oder privaten Gründen nicht bei den Eltern wohnen können. „Das Wohnen beinhaltet eine sozialpädagogische Begleitung. Die ist für Minderjährige verpflichtend“, sagt Einrichtungsleiter Stefan Däbritz.

Die Preise liegen bei 300 bis 350 Euro im Monat

Mit einem Freizeitangebot und einem festen Ansprechpartner sei das ein „Rund-um-Sorglos-Paket“. Die finanzielle Belastung liegt im Schnitt bei 300 bis 350 Euro. Unterstützung bei der Kostenübernahme können Auszubildende im Rahmen der Berufsausbildungsbeihilfe (BAB) bei der Agentur für Arbeit beantragen. Jugendwohnen bieten auch die Kolpinghäuser in Krefeld und Neuss an.

Das Modell „Wohnpaar auf Zeit“ der Stadt Düsseldorf basiert auf dem Prinzip Wohnen gegen Arbeit. Studierende und Auszubildende finden Wohnraum bei privaten Eigentümern. Die Kosten der Kaltmiete ersetzen die Mieter, indem sie monatlich maximal zwölf Stunden den Vermieter im Alltag unterstützen oder gemeinnützige Arbeit leisten. „Häufig geht es darum, Gesellschaft zu leisten“, berichtet Lidia Wilhelm vom Amt für Wohnungswesen. Die Vermieter seien meist gut organisiert und bräuchten nicht unbedingt jemanden, der putze. Wilhelm ist stolz auf das Modell, weil die Auszubildenden maximal zwölf Stunden neben ihrer Ausbildung arbeiten müssen: „Das ist machbar.“

(Quelle: wz.de – von Anke Strotmann)

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